Einladung zu einer rassismuskritischen Spanischdidaktik


Liebe Leser:innen,

mittlerweile setze ich mich seit mehr als 10 Jahren mit sprachdidaktischen Themen v.a. in der Fachdidaktik Spanisch auseinander. Im Rahmen meiner Dissertation zum Thema ‘Kultur im Spanischunterricht‘ habe ich mich intensiv mit dem Diskurs um interkulturelle, transkulturelle Ausrichtung der Kulturdidaktik und Bildungsmedien wie Filme, Literatur und Unterrichtsmaterialien für den schulischen Spanischunterricht beschäftigt.

Vor dem Hintergrund eines Wechsels ans Zentrum für Bildungsintegration in den Erziehungswissenschaften an der Uni Hildesheim, habe ich mich dann vermehrt mit der Migrationspädagogik, rassismuskritischen und postkolonialen Ansätzen sowie migrationsbedingter Mehrsprachigkeit beschäftigt. So verstand ich, dass das in den Fremdsprachendidaktiken und den Bildungsmedien vorherrschende interkulturelle Paradigma und die natio-ethno-kulturelle Ausrichtung des gegenwärtigen Spanischunterrichts und seiner Materialien der Vielheit der Schüler:innen nur wenig Rechnung trägt.

In der Pädagogik gilt das interkulturelle Paradigma seit vielen Jahren als überwunden, da es neben einer ungerechtfertigten Fokussierung auf den Kulturbegriff auch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die damit verbundenen

Ungleichheitsdimensionen dethematisiert. Erst langsam sickern diese Erkenntnisse in die Didaktik der romanischen Sprachen durch. So wird in der Fachdidaktik oft noch immer an Interkulturalität als Leitparadigma festgehalten. In fachdidaktischen Veröffentlichungen sind kulturalistische Vereinfachungen vorzufinden, es werden vermeintlich eindeutige natio-ethno-kulturelle Zuschreibungen zu Personen und Verhaltensweisen vorgenommen, rassismusrelevante und an kolonialistische Sichtweisen anschließende Begriffe und Themenabhandlungen sowie rassismusrelevante und linguizistische Umgangsweisen sind in Theorie und in Praxis vorzufinden.

Schulischer Fremdsprachenunterricht steht also nicht außerhalb der rassistischen und diskriminierenden gesellschaftlichen Strukturen, die Macht- und Ungleichheitsverhältnisse legitimieren. Rassismusrelevante Handlungen können jederzeit von allen Menschen losgelöst von deren Intentionen ausgehen. Mit diesem Wissen ist es mir ein Anliegen dazu beizutragen, dass die schulischen Bildungsräume inklusiver werden, sich alle Beteiligten stärker mit Diskriminierungen und Rassismus auseinandersetzen und sich den schadhaften Auswirkungen auf alle Menschen gewahr werden. Das ist das Ziel einer rassismuskritischen Perspektive auf schulischen Spanischunterricht und die Spanischdidaktik. Dieser Blog versucht einen Beitrag dazu zu leisten, etablierte Inhalte, Materialien, Sprechweisen und unterrichtliche Umgangsweisen kritisch zu reflektieren, zu befragen und neue Sichtweisen anzubieten.

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